Fiktive Stimmen

Sein Werdegang geht über die Fotografie von Schmetterlingen zu diesen selbst, sodass wir ihn beinahe an die Biologie verloren hätten. Jemand vom MPI hat ihm dann seine Arbeit geschildert; Fliegen ein Auge zukleben und beobachten, ob sie noch geradeaus fliegen können. Das hatte dann doch zu wenig mit dem Wunder der Metamorphose zu tun. So hat er sich dann in die zweite Hälfte seiner Wiege – die Juristerei und das Steuerunrecht – gelegt. Die andere Hälfte – die Kreativität – hat er dabei mehr oder weniger ganztags ausgefüllt. Ideen, Farben und Formen lassen sich im Kopf auch während eines Schriftsatzes bewegen.“

Kühl, distanziert und gleichzeitig sehr erotisch; ein Lichtblick.“

In all diesen Bildern ist über das selbstverständlich angestrebte ästhetische Niveau hinaus kennzeichnend, dass ein Bildaufbau gewählt wurde, wie ihn z.B. die Niederländer in ihren Stilleben gewählt haben und wie er eigentlich nur in der Malerei zu verwirklichen ist. D.h. die ganze Bildfläche wurde gestaltet oder eine Blume unabhängig von der Schwerkraft bzw. den Gegebenheiten einer Räumlichkeit dort dargestellt, wo sie nach Gesichtspunkten der Flächen-/ Raumaufteilung oder Ästhetik hingehört.“

„Ausgehend von der Fotografie – zweidimensional, glänzende Oberfläche und leuchtende Farbigkeit der Schmetterlinge – wurden Objekte geschaffen, die überwiegend fast zweidimensional sind, eine glänzende Glasur haben und in der üblichen Keramik selten verwendete leuchtende Farben. Durch das Einschmelzen der Farben auf den meist weißen Untergrund beim Glasurbrand entsteht häufig eine nuancierte Oberflächenstruktur, wie bei ev. keinem anderen Material. Hinzu kommt die Transparenz der aufgeschmolzenen Farben, deren Leuchtkraft wie beim Email gesteigert wird.“

Der Paulus Schilling ist ein Außenseiter, was bei ihm offensichtlich von Vorteil ist; weit ab vom Mainstream und ohne Rückgriff auf Bekanntes.“

Bei der Plastik ist sein Lehrmeister Lothar Fischer – ohne dass dieser etwas davon wusste. Dem Paulus Schilling seine Objekte sind zum Teil zart bzw. von großer Leichtigkeit und doch durch die Farbigkeit, ihre Erdverbundenheit und die ganze Kraft des Eros „monumental“. Sie können unabhängig von ihrer Größe einen ganzen Raum füllen. Ich empfinde sie zusammengefasst einfach als „prall“.

„Die Stillleben haben mit der keramischen Arbeit die glänzende Farbigkeit, die flächige Dimension und die Sinnlichkeit gemein. Sie greifen – allerdings nur als Assoziation – die Tradition der Niederländer insofern auf, als die dargestellten Bildinhalte über die Bildfläche verteilt sind, als seien sie nicht an die Gesetze der Schwerkraft gebunden. Anders ausgedrückt: Ein Stilllebenmaler war an dies Gesetz nicht gebunden, weil er eine Blume oder ein Gefäß so in der Fläche platzieren konnte, wie es seiner Kompositionsvorstellung entsprach. In den Stillleben von Paulus Schilling erzeugen das Schweben der Gegenstände und die gelegentliche Doppelbödigkeit ein neues Element. Die farbige Geometrie der Bilder, ihre Nüchternheit verschaffen uns Zugang zu der immergültigen – und deshalb leicht übersehenen – Schönheit der Natur.“

Er macht sich rar mit Ausstellungen und ich hoffe, wir müssen nicht wieder 20 Jahre warten, bis wir weitere Werke von ihm zu sehen bekommen.“